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Wald - Klimaschutz und Klimaanpassung

Foto von Wolken mit Sonnenstrahlen
Mit diesen Klimaveränderungen müssen wir rechnen

Die Forstbetriebe haben sich darauf einzustellen, dass Forstwirtschaft riskanter werden wird.
Als wahrscheinlichste Auswirkungen der Klimaveränderung werden erwartet:

  • Anstieg der Temperatur mit wärmeren Sommern, deutlich wärmeren Wintern und verlängerten Vegetationszeiten,
  • veränderte Niederschlagsverteilung mit trockeneren Sommern und feuchteren Wintern,
  • häufigere Witterungsextreme mit Dürren, Starkregen und Stürmen,
  • Änderung des chemischen Klimas (CO2-Anstieg, Zunahme der Stickstoffeinträge und Ozon-Belastung).

Diese Erscheinungen haben auch Einfluss auf den Wald und die Forstwirtschaft.
Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen erforscht im Verbund mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen interdisziplinär Auswirkungen auf den Boden, die Pflanzenphysiologie, die Pflanzensoziologie, die Waldbestände, den Waldschutz und auf die Forstbetriebe.
Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung der "Klimatischen Wasserbilanz" (d. h. des pflanzenverfügbaren Wassers) und die Dynamik tierischer und pflanzlicher Forstschädlinge, die teilweise recht schnell auf veränderte Umweltbedingungen reagieren können.



Blick in einen lichten Mischwald  
Wälder, Wald- und Moorböden speichern große Mengen des Klimakillers CO2
Das leisten Wald und Holz in Deutschland zum Klimaschutz
Aktuelle Untersuchungen der Bundesregierung und des Thünen-Institutes (BMEL, TI 2016) bestätigen die herausragenden Leistungen von Wald und Holz zum Klimaschutz.
Der deutsche Wald, seine nachhaltige Bewirtschaftung und die Verwendung von Holzprodukten entlasten die Atmosphäre jährlich um 126 Millionen t CO2.
Und das sind die vier Bausteine von Wald und Holz zum Klimaschutz:
  • Vergrößerung des Holzvorrats im Wald
    Der Holzvorrat im deutschen Wald vergrößert sich jährlich um 58 Millionen t CO2 (Nettowert, Holznutzungen und Emissionen durch Verwitterung von Totholz bereits abgezogen).
  • Vergrößerung der gespeicherten CO2-Menge in Holzprodukten
    Der in Holzprodukten gespeicherte CO2-Vorrat vergrößert sich jährlich um 2 Millionen t CO2 (Nettowert, Emissionen durch Verbrennung und Verwitterung von Holz bereits abgezogen).
  • Vermiedene Emissionen durch stoffliche Substitution
    Durch Ersetzung von Produkten, deren Herstellung in der Regel mehr CO2-Ausstoß verursacht, werden jährlich 30 Millionen t CO2 vermieden.
  • Vermiedene Emissionen durch die energetische Substitution
    Durch die Energiegewinnung aus Holz werden fossile Rohstoffe und damit jährlich 36 Millionen t CO2 eingespart.
    Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und die Verwendung von Holzprodukten leisten aktuell mit jährlich 68 Millionen t CO2 einen größeren Beitrag zum Klimaschutz als die Vorratsanreicherung im Wald mit 58 Mio. t CO2. Der Erhalt der Produktivität der Wälder, ihre nachhaltige Bewirtschaftung und die Optimierung der Holzverwendung sind daher wichtige klimapolitische Ziele.



"Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung" (Gutachten November 2016)

Download: Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik der Bundesregierung (WBW)

Der WBW berät und unterstützt die Bundesregierung bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Der WBW empfiehlt im Rahmen seines Gutachtens für Wald und Forstwirtschaft:

  • Produktive Wälder sichern und nachhaltig nutzen
    - Anbau von angepassten und produktiven Baumarten fördern
    - Wälder zielgerecht pflegen und nutzenWaldbesitzer beraten und unterstützen
  • Waldböden und Kohlenstoffspeicherung in Waldböden schützen
    - Bodenschutz gewährleisten
    - Waldmoore renaturieren
  • Klimaschutz bei Waldnaturschutzmaßnahmen beachten
    - Klimaschutzeffekte bei der Auswahl von Waldschutzgebieten berücksichtigen
    - Klimaschutzeffekte bei Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen berücksichtigen
  • Holzproduktspeicher ausbauen, Substitutionseffekte durch Holz stärken
    - „Langlebigkeit“ von Holzprodukten steigern
    - Kaskadennutzung in der Holznutzung fördern
    - Neue Produkte entwickeln- Beratung zur Holzverwendung ausbauen
    - Holzforschung und -lehre entwickeln
    - Öffentlichkeit über die positiven Klimaschutzwirkungen von Forstwirtschaft und Holzverwendung informieren

Forschungsergebnisse für Niedersachsen
Im niedersächsischen Wald sind insgesamt ca. 260 Mio. t Kohlenstoff gespeichert. Diese Rechnung beruht auf der Betrachtung der gesamten lebenden Biomasse und schließt das "Derbholz" über 7 cm Durchmesser, Reisig, Blätter, Nadeln und Grobwurzeln ein. Davon entfallen 54 % auf die lebende Biomasse der Bäume und 44 % auf den Waldboden. Mit 2 % sind das Totholz und die Bodenvegetation beteiligt.

Das nachhaltige jährliche Holzeinschlagspotenzial in den niedersächsischen Wirtschaftswäldern beträgt bei naturnah ausgerichteter Waldentwicklung ca. 6 Mio. Erntefestmeter Derbholz ohne Rinde Kubikmeter. In dieser Holzmasse sind etwa 1,5 Mio. t Kohlenstoff gebunden.
Würde der gesamte Holzeinschlag energetisch genutzt, so könnte diese Holzmasse annähernd 1,5 Mrd. Liter Heizöl ersetzen und es würde bei der Verbrennung des nachwachsenden Rohstoffes Holz nur 1/15 der CO2-Menge im Vergleich zum Heizöl freigesetzt.
Dies wäre ein großer Effekt, aber noch wirksamer für die Treibhausgasbilanz ist die anfängliche stoffliche Rohholznutzung mit einer größeren Verweildauer des Kohlenstoffs in langlebigeren Holzprodukten (Bauholz, Holzwerkstoffe, Papier) und die spätere energetische Nutzung des Altholzes im Sinne einer Kaskadennutzung. Derzeit beträgt der Anteil der energetischen Holznutzung am gesamten Holzaufkommen (Rohholz, Altholz, Landschaftspflegeholz) in Deutschland ca. 43 % mit steigender Tendenz.

Im Inventurzeitraum von 1987 bis 2002 wurde in Niedersachsen weniger Holz eingeschlagen als nachwuchs, daher erfolgte bei allen Baumarten nicht nur ein Speichereffekt auf hohem Niveau, sondern zusätzlich ein deutlicher Vorratsaufbau in Höhe von durchschnittlich 5 Kubikmetern und damit eine entsprechende Zunahme der Kohlenstoffvorräte. Dieser Aufbautrend wird sich je nach Bewirtschaftungsszenario in abgeschwächter Form fortsetzen, stagnieren oder leicht rückläufig entwickeln.
Forstwirt bepflanzt Waldfläche mit Buchen  
Aktiver Waldumbau durch Pflanzung klimaangepasster Baumarten

Empfehlung für eine niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Die Niedersächsische Landesregierung hat 2008 die Regierungskommission „Klimaschutz“ mit dem Auftrag berufen, umfassende Empfehlungen sowohl für eine niedersächsische Klimaschutzstrategie als auch für eine niedersächsische Anpassungsstrategie zu erarbeiten.
Die Arbeitsgruppe „Klimafolgenanpassung“ hat für die einzelnen Handlungsfelder eine umfassende Abschätzung im Hinblick auf Art und Ausmaß des zu erwartenden Klimawandels vorgenommen sowie Handlungsziele für das Land formuliert.

Niedersachsens Wälder und die Forstwirtschaft sind regional unterschiedlich von den Folgen des Klimawandels betroffen.
Viele von der AG Klimaanpassung vorgeschlagenen Anpassungsmaßnahmen sind bereits langjährige Bestandteile nachhaltiger Forstwirtschaft. Sie bieten daher eine viel versprechende Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Anpassung.


Die AG hat folgende Hauptziele für das Handlungsfeld „Wald und Forstwirtschaft“ erarbeitet:

  • Sicherung aller Waldfunktionen durch aktive Waldentwicklung
    Eine zielgerichtete Klimaanpassung im Wald erfordert gezielte Waldentwicklung im Rahmen der bewährten Forstwirtschaft auf ökologischer Grundlage. Entscheidender Handlungsrahmen ist die künftige Anbaueignung der Baumarten.

  • Intensivierung der langfristigen Waldentwicklung
    Zur Sicherung der Wälder und ihrer nachhaltigen Leistungen für Mensch, Wirtschaft, Natur und Klima ist die Entwicklung von standortgerechten, vielfältigen, stabilen, anpassungs- und leistungsfähigen und ökologisch wertvollen Wäldern zu intensivieren, da die natürliche Anpassungsfähigkeit der Wälder nicht ausreicht. Dem Aufbau von Mischwäldern kommt eine Schlüsselrolle zu.

  • Absicherung forstlicher Forschung und Beratung
    Es ist erforderlich, ein flächendeckendes und standortspezifisches Konzept für die Anpassung der niedersächsischen Wälder zu erstellen und vor Ort von fundiertem forstlichen Sachverstand begleitet umzusetzen. Die Forschungs- und Beratungsinhalte der NW-FVA Göttingen und ihrer Partnereinrichtungen sind fortzuführen, weiter zu entwickeln und abzusichern.

  • Weiterentwicklung und Sicherung des Waldmonitorings
    Es ist ein Waldmonitoring zu verwirklichen, das u. a. die Folgen des Klimawandels auf den Wald dokumentiert, eine Grundlage für die Weiterentwicklung von Anpassungsstrategien ist sowie deren Umsetzung darlegt. Dafür ist die Finanzierung im europäischen und nationalen Kontext zu sichern.
Titelbild der Broschüre "Klimaangepasste Baumertenwahl" mit Nadel- und Laubbäumen

Titelbild der Broschüre "Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten" (Druck 2019)

Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten (Stand 2019)

Band 61 der Schriftenreihe "Aus dem Walde" ist als Betriebsanweisung der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) zur klimaangepassten Baumartenwahl ein betriebliches Planungsinstrument und richtet sich an die Forsteinrichtung der NLF sowie an die Forstämter. Leitbild des waldbaulichen Handelns sind naturnah bewirtschaftete, stabile, arten- und strukturreiche Wälder.

 Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten - "Aus dem Walde" Heft 61- Schriftenreihe Waldentwicklung in Niedersachsen (2019)
(PDF, 10,24 MB)

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