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Luftqualitätsüberwachung in Niedersachsen: Status quo, Perspektiven und Ziele zur Verbesserung der Luftqualität

Die Immissionsgrenzwerte für Partikel (PM10 und PM2,5), Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Benzol wurden 2020 wie in den Vorjahren an den Probenahmestellen des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen (LÜN) eingehalten.

Im Jahr 2020 wurde auch der Grenzwert für den NO2-Jahresmittelwert erstmals an allen Probenahmestellen eingehalten. Hierzu trugen die fortschreitende Modernisierung der Fahrzeugflotte, der zeitweise Verkehrsrückgang in Folge der Corona-Pandemie sowie kommunale Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität bei.

Differenzierter muss die Situation hinsichtlich der Luftbelastung durch Ozon betrachtet werden.

Der zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegte Zielwert für Ozon wurde 2020 in den Regionen Braunschweig, Emsland, Göttingen, Osnabrück, Wolfsburg sowie auf dem Wurmberg überschritten. Das langfristige Ziel zum Schutz der menschlichen Gesundheit wurde an keiner der 21 Probenahmestellen eingehalten. Die Ozon-Konzentration war somit 2020 in Bezug auf die gesetzlichen Regelungen zeitweise noch immer zu hoch. Die Schwellenwerte von 180 µg/m³ zur Information bzw. von 240 µg/m³ zur Warnung der Bevölkerung wurden im Sommer 2020 jedoch nicht überschritten.

Der Ozon-Zielwert zum Schutz der Vegetation wurde 2020 an allen Probenahmestellen eingehalten. Das diesbezügliche langfristige Ziel wurde jedoch noch an 13 der 21 Probenahmestellen überschritten.

Eine weitere Reduzierung der Konzentration an Stickstoffoxiden als Vorläuferstoff des bodennahen Ozons sowie anderer Ozon-Vorläuferstoffe (insbesondere flüchtige organische Verbindungen) bleibt damit ein wichtiges Ziel zur Verbesserung der Luftqualität Niedersachsens.

Darüber hinaus hat die Reduzierung der Ammoniakemissionen große Relevanz für die Umwelt, da Ammoniak neben seinen direkten Wirkungen einen großen Beitrag zum Stickstoffeintrag in Ökosysteme liefert, als Vorläufer für Feinstaub gilt und somit indirekt auch klimarelevant ist.

Die für die in der PM10-Fraktion enthaltenen Schadstoffe (Blei, Arsen, Cadmium, Nickel und Benzo[a]pyren) gültigen Grenz- und Zielwerte der 39. BImSchV wurden 2020 an allen Probenahmestellen eingehalten. Die höchsten Belastungen zeigten sich dabei für die Schwermetallverbindungen im PM10 in Nordenham und Oker/Harlingerode. Für diese Schadstoffe lagen die Messergebnisse der letzten Jahre aber weit unterhalb der rechtlich vorgegebenen Zielwerte.

Die Untersuchungen im Rahmen des routinemäßigen Depositionsmessnetzes zeigten für den Staubniederschlag sowie für die Blei-, Arsen-, Cadmium- und Nickel-Depositionen mit Ausnahme an der Probenahmestelle Nordenham II eine Einhaltung der Immissionswerte der TA Luft. An der industriegeprägten Probenahmestelle Nordenham II wurde im Jahr 2020 eine Überschreitung des Immissionswertes für die Blei-Depositionen ermittelt.

Ergebnisse über weitere Depositionsuntersuchungen im Raum Nordenham und Oker-Harlingerode, sowie über Depositionsmessungen, die nicht im Rahmen des routinemäßigen Depositionsmessprogramms durchgeführt werden, können den Berichten zu den Sondermessprogrammen auf der Internetseite des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz entnommen werden.

Insgesamt zeigt sich, dass im Hinblick auf die Verbesserung der Luftqualität in den letzten Jahrzehnten viel erreicht wurde. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung besteht, gemessen an den langfristigen Zielen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes für Ozon und den teilweise wesentlich strengeren Empfehlungen der WHO, daher auch für die nächsten Jahre weiterhin Handlungsbedarf zur Verbesserung der Luftqualität in Niedersachsen. Dies betrifft insbesondere Ammoniak, Feinstaub (PM2,5 und PM10), Stickstoffdioxid und Ozon. Auch die Langzeit-Indexwerte zeigen mit dem Ergebnis „befriedigend", dass für die nächsten Jahre weiterhin Verbesserungsbedarf besteht.
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