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Wirtschaftsbranche Gartenbau

Der Erwerbsgartenbau ist ein vielseitiger, vielschichtiger und moderner Wirtschaftszweig. Liegt der unternehmerische Schwerpunkt in der Produktion von gärtnerischen Erzeugnissen, spricht man auch von Betrieben des Produktionsgartenbaus und unterscheidet nach den Betriebszweigen Obstbau, Gemüsebau, Blumen- und Zierpflanzenbau, Baumschulerzeugnisse, Samenbau, Staudenbau und gartenbauliche Sonderkulturen wie beispielsweise Heil- und Gewürzpflanzen und Pilzkulturen. Dieser Gartenbau im engeren Sinne ist Teil der landwirtschaftlichen Urproduktion und zwar unabhängig davon, ob die gartenbaulichen Produkte der Ernährung oder der Gestaltung des menschlichen Wohn- und Lebensbereiches dienen. Innerhalb der Landwirtschaft Niedersachsens nimmt der Produktionsgartenbau eine bedeutende wirtschaftliche Stellung ein.

Neben den Erzeugerbetrieben zählen zum Erwerbsgartenbau auch Betriebe des Handels- und Dienstleistungsgartenbaus, in denen vor allem gewerbliche und verarbeitende Tätigkeiten ausgeführt werden. Zu den Handels- und Dienstleistungsbetrieben zählen regelmäßig die Friedhofsgärtnereien und der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau sowie Floristik, Einzelhandelsgärtnereien und Gartencenter.

Die Bedeutung des Gartenbaus in Niedersachsen (Quantifizierung der wirtschaftlichen Bedeutung des Gartenbaus einschließlich der vor- und nachgelagerten Wirtschaftsaktivitäten; Indikatoren: Wertschöpfung, Umsatz und Beschäftigung für den gartenbaulichen Anteil verschiedener Wirtschaftsbereiche) wird anhand einer Länderstudie des Zentrums für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG) von 2013 deutlich. Das gesamte Gartenbaucluster Niedersachsen erwirtschaftet mit 80.500 Beschäftigten eine Bruttowertschöpfung von 1,9 Mrd. Euro, was einem Anteil von 10 % am bundesdeutschen Gartenbaubereich entspricht. Nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg rangiert Niedersachsen demnach an dritter Stelle der untersuchten Länder. Anzumerken ist, dass die Wirtschaftszweige in sehr unterschiedlichem Maße zum Gesamtergebnis beitragen. In Niedersachsen erwirtschaftet der Produktionsgartenbau mit 476 Mio. Euro knapp ein Viertel der Wertschöpfung des Gartenbauclusters. Deutschlandweit liegt er damit an zweiter Stelle hinter Nordrhein-Westfalen. Die Beschäftigung in der Produktion entspricht etwa 17.600 Vollzeitarbeitskräften. Die unmittelbar vor- und nachgelagerten Bereiche erreichen eine Wertschöpfung von 850 Mio. Euro oder 44 % vom Gartenbaucluster Niedersachsen. Darin sind vor allem die Verarbeitung von Obst und Gemüse (200 Mio. Euro), der Großhandel (330 Mio. Euro) und der Dienstleistungsgartenbau (300 Mio. Euro) von Bedeutung. Hier finden etwa 20.000 Vollzeitarbeitskräfte Beschäftigung. Darüber hinaus werden auch die mittelbar mit der Gartenbauproduktion verbundenen Wirtschaftszweige zum Cluster gezählt. Darin sind der Einzelhandel mit 377 Mio. Euro, Gastronomie und Beherbergung mit 222 Mio. Euro enthalten. Der Anteil des Gartenbaus an der Beschäftigung in diesen Wirtschaftszweigen beträgt gut 42.000 Vollzeitarbeitsplätze.

Gemüsebau in Niedersachsen

Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Kulturen ist der Anbau von Gemüsekulturen durch eine Reihe von Besonderheiten gekennzeichnet. Die Besonderheiten des Freilandgemüsebaus liegen vor allem

  • in der Vielzahl und Verschiedenartigkeit der Kulturen,

  • in der Tatsache begründet, dass ein Großteil der Produkte nicht oder nur gering verarbeitet in den Handel gelangt,

  • in der Vielzahl von Vermarktungswegen (Direktvermarktung, Großmarkt, Großhandel, Industrie),

  • in dem satzweisen Anbau und damit mehreren (bis zu drei oder vier) Folgesätzen auf der gleichen Fläche während einer Vegetationsperiode und

  • in der breiten Palette von Produktionsmethoden. Diese reicht von der großflächigen Produktion, die landwirtschaftlichen Anbauverfahren ähneln, bis zur intensiven Nutzung kleinerer Freilandflächen mit vom Gartenbau geprägten Produktionsabläufen.

Der Gemüsebau ist über das gesamte niedersächsische Gebiet verteilt. Es gibt jedoch Regionen, die stark durch den Gemüsebau geprägt sind.

So ist Papenburg durch einen intensiven Unter-Glas-Anbau von Kräutern und im Freilandbereich durch die Produktion von Schnittlauch bekannt. Aber auch andere gartenbauliche Erzeugnisse des Gemüse- aber auch Zierpflanzenbaus werden hier produziert. Südöstlich von Hamburg befindet sich die Samtgemeinde Bardowick. Bardowick ist durch einen intensiven Gemüsebau geprägt. Das Gebiet Südoldenburg bzw. Oldenburgisches Münsterland im Bereich Cappeln und Landkreis Cloppenburg ist ebenfalls ein Gebiet mit vielfältigem Gemüseanbau. Besondere Bedeutung hat in Niedersachsen der Spargelanbau: Fast ein Viertel der deutschen Erntemenge des Edelgemüses wird in Niedersachsen gestochen.

Obstbau in Niedersachsen

In Niedersachsen befindet sich das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Mitteleuropas, das Alte Land. Der Erwerbsobstbau an der Niederelbe spielt eine wichtige Rolle als regionaler Wirtschaftsfaktor. Dieses zeigt sich sowohl in seinem Produktionswert als auch in der Zahl der Arbeitsplätze in den Betrieben und in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Insgesamt sind im Niederelbegebiet ca. 2.100 Voll-Arbeitskräfte in der Obstproduktion tätig. Der gesamte Produktionswert „Obst“, der jährlich an der Niederelbe erwirtschaftet wird und in dem alle Obstarten und Absatzformen eingeschlossen sind, beträgt ca. 120 Mio. €. Die Baumobstfläche an der Niederelbe liegt insgesamt bei über 9.500 ha, die von mehr als 750 Betrieben bewirtschaftet wird. Die Intensität nimmt permanent zu. Nach ca. 14 Mio. Obstbäumen 1997 stehen heute ca. 16,5 Mio. Obstbäume an der Niederelbe. Weitere wichtige Obstarten im niedersächsischen Obstbau sind Erdbeeren und Kulturheidelbeeren.

Baumschulwirtschaft in Niedersachsen

In Deutschland wurden 2012 mehr als 21.000 ha Fläche zur Produktion von Baumschulware genutzt. Dies entspricht ca. 10 % der Flächen unter gartenbaulicher Nutzung. Knapp 6.000 ha davon befinden sich in Niedersachsen. Damit ist Niedersachsen der Spitzenreiter unter den Bundesländern.

In Niedersachsen liegt ein Schwerpunkt der Baumschulproduktion im Nordwesten in Oldenburg/Weser-Ems, insbesondere im Ammerland. Hier befinden sich rund zwei Drittel aller niedersächsischen Baumschulen, die etwa drei Viertel der Baumschulfläche des Landes bewirtschaften. Ein Schwerpunkt der Produktion in dieser Region liegt auf Azerca-Kulturen.

Blumen- und Zierpflanzenbau in Niedersachsen

Der niedersächsische Blumen- und Zierpflanzenbau weist eine sehr vielseitige Produktpalette auf. So werden unter Glas und im Freiland

  • Beet- und Balkonpflanzen
  • blühende Zimmerpflanzen
  • grüne Zimmerpflanzen
  • Schnittblumen
  • Ziergehölze sowie
  • Stauden

produziert. In 487 niedersächsischen Blumen- und Zierpflanzenbaubetrieben mit einer Fläche von knapp 710 ha sind rund 2.400 AKE beschäftigt. Sie erwirtschaften einen Umsatz von ca. 183 Mill. € und eine Bruttowertschöpfung von 72 Mio. €. Produktionsschwerpunkte liegen in den Regionen um Bendingbostel, Hannover, Papenburg und Wiesmoor. Dort werden Millionen von blühenden Pflanzen produziert. In Niedersachsen sind Betriebe mit Hochglasflächen zwischen 10.000 – 20.000 m² keine Seltenheit.

Fördermaßnahme

Beihilfe für Erzeugerorganisationen im Sektor Obst und Gemüse --> weitere Informationen


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