Niedersachen klar Logo

Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen

Menschen mit Fluchthintergrund tragen auch in Niedersachsen zunehmend zum Beschäftigungsaufwuchs und zur Absicherung des Fachkräftebedarfs bei: Über 30.000 geflüchtete Menschen haben in Niedersachen in den letzten Jahren bereits eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden!

Weiterhin stellen fehlende berufliche Bildungsabschlüsse und mangelnde sprachliche Kompetenzen für viele Geflüchtete allerdings noch große Hürden bei der Aufnahme einer Berufsausbildung oder einer dauerhaften Beschäftigung dar. Zudem ist die Arbeitslosigkeit Geflüchteter auch durch die Coronakrise angestiegen. Daher ist die Förderung geflüchteter Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie Sprach- und Integrationskursen absehbar noch längerfristig notwendig.

Durch geeignete arbeitsmarktpolitische Unterstützungsmaßnahmen setzten wir uns in diesem Sinn dafür ein, dass geflüchtete Menschen möglichst frühzeitig an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

Zum Ausbau einer lückenlosen Förderkette für die Zielgruppe haben wir daher in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitsmarktpartnern aus der „Fachkräfteinitiative Niedersachsen“ und dem Bündnis " Niedersachsen packt an" vielfältige Maßnahmen und Initiativen ergriffen, die die Integrationsangebote des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Bundesregierung sowie die von den Arbeitsagenturen und Jobcentern ausgeführten gesetzlichen Arbeitsförderinstrumente ergänzen:


Netzwerkarbeit und Zusammenarbeit an den Schnittstellen

Nach Ansicht der Landesregierung erfordert eine möglichst schnelle und erfolgreiche Arbeitsmarktintegration eine enge Kooperation aller verantwortlichen Stellen und möglichst reibungslose Übergänge an den Schnittstellen. Die Kommunalen Spitzenverbände in Niedersachsen, die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit und das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung haben deshalb mit Praktikern der örtlichen Ebene gemeinsame Empfehlungen für eine gute Zusammenarbeit an diesen Schnittstellen erarbeitet. Ziel ist der flächendeckende Aufbau örtlicher Steuerungs- und Koordinierungskreise und die Schaffung verbindlicher Strukturen der Zusammenarbeit vor Ort.

Eine wichtige Voraussetzung für eine gesellschaftliche Integration und die Eingliederung von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt ist der Erwerb der deutschen Sprache. Trotz des großen Engagements aller Beteiligten fehlt es oftmals vor Ort an einem Gesamtüberblick über die verschiedenen Programme, an Transparenz über die örtlichen Bedarfe und an einer abgestimmten Zugangssteuerung in die Kurse. Daher haben sich die beteiligten Partner darüber hinaus zu besseren Koordinierung der Sprachförderung auf „ Gemeinsame Empfehlungen zur Koordinierung der Sprachförderung auf regionale Ebene“ ( aktualisierte Anlagen 1 und 2) verständigt. Die gemeinsamen Empfehlungen sollen in erster Linie zur Intensivierung der Zusammenarbeit und zur Verbesserung der Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Institutionen vor Ort dienen.

Unterstützung des allgemeinen und berufsbezogenen Deutsch-Spracherwerbs

Der Erwerb allgemeiner Deutschsprachkenntnisse erfolgt für Flüchtlinge i.d.R. im Rahmen der deutschlandweit vom BAMF koordinierten " Integrationskurse". Diese umfassen einen Sprach- und einen Orientierungskurs, in dem grundlegende Informationen zur deutschen Rechtsordnung sowie zum Alltag und zu den Werten des Zusammenlebens in Deutschland vermittelt werden. Ziel des Sprachkurses ist das Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) für Sprachen, mit dem eine klare Standardsprache in den Bereichen Persönliches/Familie, Arbeit und Freizeit ermöglicht wird.

Daneben bietet das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur u. a. im Bereich der Erwachsenenbildung seit Oktober 2015 umfangreiche Sprachlernangebote für Flüchtlinge an, die von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung koordiniert werden.

Im Bereich der berufsbezogenen Sprachförderung ist auf die vom BAMF bundesweit koordinierten Kursangebote aus der Berufsbezogenen Deutschsprachförderung nach § 45a des Aufenthaltsgesetztes hinzuweisen.

Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Anerkennung von Auslandsqualifikationen

Für die in den letzten Jahren aufgenommenen Flüchtlinge bestehen vielfach gute Chancen zur Arbeitsmarktintegration über eine Berufsausbildung. Zur Orientierung insbesondere jüngerer Flüchtlinge über mögliche Ausbildungsgänge setzen wir einen Schwerpunkt zur Berufsorientierung in Handwerksberufen:

Dazu unterstützen wir das "Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA)" der sechs Handwerkskammern bis Ende 2022. Projektziel ist die Vorbereitung von interessierten Flüchtlingen auf eine Handwerksausbildung und ihre Betreuung während der Ausbildung. Die IHAFA-Beraterinnen und -Berater der Kammern vermitteln Geflüchtete in individuell geeignete Maßnahmen zur Berufsorientierung und Eignungsfeststellung sowie in Praktika, Ausbildung und Beschäftigung. Ferner beraten sie interessierte Handwerksunternehmen. Eine Zwischenbilanz zum Projektverlauf finden Sie hier.

Mit Beginn des Schuljahrs 2020/2021 hat das Niedersächsische Kultusministerium im Rahmen der neu eingeführten Schulform der Berufseinstiegsschule (BES) an den öffentlichen berufsbildenden Schulen Sprach- und Integrationsklassen eingeführt, in denen für jüngere Geflüchtete mit Sprachförderbedarf kombinierte Angebote zur Berufsorientierung und Sprachförderung bestehen.

Für Flüchtlinge, die bereits über berufliche Abschlüsse und Berufserfahrungen verfügen, kann eine formale Anerkennung ihrer Qualifikationen in Betracht kommen. Erstberatung zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse leisten landesweit 15 Anlaufstellen des Netzwerks „Integration durch Qualifizierung (IQ) Niedersachsen“ mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Umfassende Auskünfte zu vielfältigen Fragen der Anerkennung ausländischer Abschlüsse bietet darüber hinaus das beim Bundesinstitut für Berufsbildung eingerichtete mehrsprachige Informationsportal " Anerkennung in Deutschland".


Flankierende Maßnahmen für Unternehmen und Multiplikatoren

Neben der personenbezogenen Arbeitsmarktförderung von Flüchtlingen unterstützen wir zur Absicherung des Fachkräftebedarfs auch Unternehmen und regionale Arbeitsmarktakteure als Multiplikatoren, damit die Betriebe Fachkräfte, Studierende, Auszubildende und Praktikanten aus dem Ausland mit und ohne Fluchthintergrund noch stärker in ihrer Personalrekrutierung berücksichtigen können und Unsicherheiten abgebaut werden.

Dazu fördern wir im Zeitraum vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2022 das Netzwerk "Regionale Start Guides", bestehend aus landesweit 23 regionalen „Start Guide“-Projekten und dem zentralen „Start Guides-Koordinierungsprojekt“. Eine Übersicht aller Projektträger finden Sie hier.

Die regionalen Projekte sollen internationale Zuwanderinnen und Zuwanderer mit und ohne Fluchthintergrund mit Betrieben zu Ausbildungen, Praktika und Beschäftigungsverhältnissen zusammenbringen und beide Seiten bei der betrieblichen Integration begleiten. Außerdem sollen sie praktische Hilfe im Arbeitsalltag erbringen, etwa bei Abstimmungen mit Behörden und Berufsschulen, durch Moderation bei Konflikten oder durch Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Fortbildungsmöglichkeiten.

Das Koordinierungsprojekt „Zentrale Beratungsstelle - Ausländer/-innen und Fachkräftesicherung (ZBS AuF)“ unterstützt die regionalen „Start Guides“ durch Angebote zum Erfahrungsaustauch untereinander sowie zur Vernetzung mit anderen regionalen Arbeitsmarktakteuren aus dem Bereich der Gewinnung und Arbeitsmarktintegration internationaler Fachkräfte. Ferner stellt das Koordinierungsprojekt über seine Projektwebsite www.zbs-auf.info laufend aktuelle Fachinformationen zum Aufenthalts- und Arbeitsförderrecht sowie zu Förderangeboten für die Integration internationaler Zuwanderinnen/-er zur Verfügung. Das kostenlose Informationsangebot richtet sich insbesondere an regionale Arbeitsmarktakteure und -projekte aus Niedersachsen.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln