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Aktuelles aus dem Klimo-Projekt Südheide

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14.04.2021

Moor vs. Wald? Förster für Waldökologie Christoph Rothfuchs im Interview (Teil 1)


Moore und Wälder sind wertvolle Ökosysteme, gerade in Bezug auf den Klimawandel. Auf vielen entwässerten Moorstandorten haben sich heute Wälder entwickelt. So auch in unserem Projektgebiet rund um den Jafelbach und seinen Nebengewässern. Stehen also Wald- und Moorentwicklung zwangsläufig in Konkurrenz zueinander? Im Interview steht Förster für Waldökologie Christoph Rothfuchs vom Forstamt Unterlüß Rede und Antwort.

Herr Rothfuchs, Sie begleiten als Förster für Waldökologie dieses Moorrenaturierungsprojekt für unseren Kooperationspartner, die Niedersächsischen Landesforsten (NLF). Warum beteiligen sich die Landesforsten an diesem Projekt?

Mit ihrem Engagement verfolgen die Landesforsten das Ziel, die grundwasserabhängigen Lebensräume - also die Moore und Bachauen der Nebengewässer der Jafel - grundlegend wiederherzustellen. Ein Wassereinzugsgebiet endet aber nicht an Eigentumsgrenzen. Deshalb musste das Projekt großräumiger und mit einem entsprechenden finanziellen Umfang anlegt werden. Dies hätten die Niedersächsischen Landesforsten alleine nicht leisten können. Angesichts gemeinsamer Ziele hat der NLWKN die Trägerschaft des Projektes übernommen. Im Wesentlichen geht es beiden Partnern darum, klimaschädliches CO₂ in den Moorböden zu binden und den Schutzzweck der FFH-Richtlinie und des Naturschutzgebietes auf den Flächen der NLF zu gewährleisten.

Sie sprechen die FFH-Richtlinie an. Welchen Einfluss hatten die Ziele der Richtlinie auf die Entscheidung, dieses Projekt durchzuführen?

Durch die großräumige Entwässerung unserer Landschaft wurden intakte Moore, Bruch- und Auwälder nicht nur landesweit, sondern europaweit immer seltener. Es verwundert deshalb nicht, dass ihr Erhalt oder ihre Wiederherstellung seit 2000 auch eine wichtige Zielsetzung der FFH-Richtlinie ist. Das Land Niedersachsen zog bereits 1994 ähnliche Konsequenzen: Damals wurde das LÖWE-Programm beschlossen (Langfristige Ökologische Waldentwicklung), welches für die NLF bis heute bindend ist. Der erste von insgesamt 13 Grundsätzen hält fest, dass in entwässerten Feuchtbereichen nach Möglichkeit die natürlichen Wasserverhältnisse wiederherzustellen sind.

Lesen Sie Teil 2 des Interviews ab Mai an dieser Stelle!

Der Sauerbach im Nordwesten des Großen Moores wurde von den Landesforsten bereits 2011 renaturiert. In der Aue stellt sich ein Erlenbruchwald ein, da die Erle eine sehr gut an feuchte Bedingungen angepasste Baumart ist.  
Der Sauerbach im Nordwesten des Großen Moores wurde von den Landesforsten bereits 2011 renaturiert. In der Aue stellt sich ein Erlenbruchwald ein, da die Erle eine sehr gut an feuchte Bedingungen angepasste Baumart ist.
Auch im KliMo-Südheide-Projektgebiet haben die NLF bereits Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt – z.B. in diesem wiedervernässten Abschnitt des Jafelbachs entlang des Langen Damms.  
Auch im KliMo-Südheide-Projektgebiet haben die NLF bereits Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt – z.B. in diesem wiedervernässten Abschnitt des Jafelbachs entlang des Langen Damms.
Durch die Ende 2020 entfernten Durchlässe staut sich nun auch am Jafelweg das Wasser. Durch die Vernässung des Standortes werden mittelfristig Bäume absterben – vor allem diejenigen Baumarten, die nicht an hohe Grundwasserstände angepasst sind.  
Durch die Ende 2020 entfernten Durchlässe staut sich nun auch am Jafelweg das Wasser. Durch die Vernässung des Standortes werden mittelfristig Bäume absterben – vor allem diejenigen Baumarten, die nicht an hohe Grundwasserstände angepasst sind.
Die Vernässungsmaßnahmen schaffen neue Lebensräume für diverse Arten. Auch wenn nicht jeder ein Freund von Spinnen ist, so ist die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) etwas Besonderes.  
Die Vernässungsmaßnahmen schaffen neue Lebensräume für diverse Arten. Auch wenn nicht jeder ein Freund von Spinnen ist, so ist die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) etwas Besonderes.
Besonders Amphibien sind auf naturnahe Feuchtbiotope angewiesen. Am Königsdamm kann man im Frühjahr z.B. Erdkröten (Bufo bufo) bei der Balz beobachten. Die vielfältigen Strukturen bieten den Amphibien geeignete Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen.  
Besonders Amphibien sind auf naturnahe Feuchtbiotope angewiesen. Am Königsdamm kann man im Frühjahr z.B. Erdkröten (Bufo bufo) bei der Balz beobachten. Die vielfältigen Strukturen bieten den Amphibien geeignete Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen.
Für den Moorfrosch (Rana arvalis) sind sowohl die Projektflächen im FFH-Gebiete „Großes Moor bei Gifhorn“ (FFH-Nr. 315) als auch die Projektflächen im Jafelgebiet (FFH-Nr. 086) von besonderer Bedeutung.  
Für den Moorfrosch (Rana arvalis) sind sowohl die Projektflächen im FFH-Gebiete „Großes Moor bei Gifhorn“ (FFH-Nr. 315) als auch die Projektflächen im Jafelgebiet (FFH-Nr. 086) von besonderer Bedeutung.

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17.03.2021

(Vor-)Frühlingsgefühle im Großen Moor


Kaum hat sich die weiße Pracht des vergangenen Monats in Wasser aufgelöst, erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf. Das zeigt sich auch in unseren Projektgebieten: Besonders im Großen Moor wird derzeit viel Lärm um den Frühling gemacht, denn die abwechslungsreiche Landschaft zieht so manchen Vogel an. Schon die ersten gefiederten Besucher des Jahres beweisen dabei eindrucksvoll, warum die Fläche als EU-Vogelschutzgebiet so schützenswert ist: Auf den großen, feuchten Grünlandflächen kann man die mittlerweile wieder in größeren Zahlen vorkommenden Kraniche bei der Nahrungssuche beobachten. Die vielen Gewässer im Naturschutzgebiet bieten ihnen gute Rast- und Brutbedingungen. Diese Vogelart wurde durch die allgemeine Entwässerung der Landschaft stark zurückgedrängt und breitet sich erst seit wenigen Jahren wieder in Nord- und Ostdeutschland aus.

Doch auch in den Wäldern des Gebiets ist ganz schön was los! Obwohl der Kleinspecht noch nicht selten ist, bekommt man diesen ca. spatzengroßen Vogel normalerweise selten zu Gesicht. Doch während der Balz im Frühjahr macht er mit seinem Rufen und Klopfen auf sich aufmerksam.

Auch wenn Vögel die wohl auffälligsten Frühlingsboten sind, zeigt sich der Wandel der Jahreszeiten auch bei anderen Artengruppen, z. B. den Pflanzen ganz deutlich. Viele Bäume blühen bereits. Die ersten Frühblüher stecken ihre Köpfe aus der Erde. Und sobald die Temperaturen stabiler im Plusbereich liegen, werden auch die Amphibien in den Chor der Balzrufe einstimmen.

Kraniche sind Zugvögel, die meist erst im Frühjahr zur Brut nach Deutschland kommen.  
Kraniche sind Zugvögel, die meist erst im Frühjahr zur Brut nach Deutschland kommen.
Während sie im Schutz vom Röhricht brüten, suchen sie ihre Nahrung im Grünland.  
Während sie im Schutz vom Röhricht brüten, suchen sie ihre Nahrung im Grünland.
Seit wenigen Jahren kann auch der Silberreiher im Frühjahr im Großen Moor beobachtet werden.  
Seit wenigen Jahren kann auch der Silberreiher im Frühjahr im Großen Moor beobachtet werden.
Der Kleinspecht ist, wie der Name bereits sagt, der kleinste Vertreter der Spechte und in etwa so groß wie ein Spatz.  
Der Kleinspecht ist, wie der Name bereits sagt, der kleinste Vertreter der Spechte und in etwa so groß wie ein Spatz.
Auch andere Tiere, wie Rehe, kommen zum Äsen auf den Wiesen aus ihren Verstecken.  
Auch andere Tiere, wie Rehe, kommen zum Äsen auf den Wiesen aus ihren Verstecken.
Krokusse werden schon so lange in Deutschland angepflanzt, dass diese Neophyten für uns zu den typischen Frühblühern gehören. Dabei verbreiten sie sich langsam aus den Gärten in die freie Landschaft.  
Krokusse werden schon so lange in Deutschland angepflanzt, dass diese Neophyten für uns zu den typischen Frühblühern gehören. Dabei verbreiten sie sich langsam aus den Gärten in die freie Landschaft.

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15.02.2021

„Moor to do“ unter weißer Pracht


Vor dem Frühling bescherten uns ein paar herrliche Wintertage noch einmal viel Schnee. Die Projektgebiete zeigen sich entsprechend in weißer Pracht. Unter der pulvrigen Decke verbergen sich allerdings zwei Projektgebiete, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während das Gebiet rund um den Jafelbach in großen Teilen bewaldet ist, erscheint das Große Moor sehr offen und weitläufig.

Diese unterschiedlichen Erscheinungsbilder weisen schon auf die verschiedene Entstehungsgeschichte der beiden Moorgebiete hin: Im Jafelgebiet haben sich an den Quellen und Auen der Bäche in flachen Geländemulden so genannte Quell- und Durchströmungsmoore gebildet. Diese Moore werden also vom austretenden Grundwasser und den Bächen im Gebiet gespeist.

Das Große Moor bei Gifhorn hingegen ist entstehungsgeschichtlich ein ganz anderer Moortyp – ein sogenanntes Hochmoor. Über Jahrtausende hinweg haben sich hier immer mächtigere Torfschichten bilden können, sodass das Moor wortwörtlich „hoch“ gewachsen ist. Dadurch wird die Vegetationsdecke des Hochmoores kaum mehr vom anstehenden Grundwasser, sondern fast ausschließlich durch Regenwasser versorgt.

Die mächtigen Torfschichten wurden großflächig abgebaut, so dass sich das ursprünglich nach oben gewölbte Moorgebiet heute eben bis ausgekuhlt zeigt. Da im Gebiet ein Großteil des Torfkörpers zwischenzeitlich abgetragen wurde, gestaltet sich die Renaturierung dieses Moores deutlich herausfordernder als im Jafelgebiet: Dort muss lediglich die Entwässerung des noch vorhandenen Torfkörpers beendet werden.

Im Großen Moor genügt es dagegen nicht, für die Renaturierung Entwässerungsgräben zu verfüllen. Wie an vielen Stellen in dem Gebiet schon sehr gut ersichtlich ist, müssen für die Hochmoorrenaturierung sogenannte „Pütten“ angelegt werden. In diesen teichartigen Wannen kann sich das Regenwasser sammeln – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die torfbildenden Sphagnum-Moose wieder ansiedeln können. Dieser Prozess lässt sich in seinen unterschiedlichen Entwicklungsstadien in den bereits angelegten Pütten gut nachvollziehen. Natürlich nur, wenn die Landschaft nicht gerade von einem weißen Schneekleid bedeckt ist.

Das KliMo-Projekt beabsichtigt, Wasser des Moorkanals über Stauanlagen auf große Teilflächen des Großen Moores zu leiten und diese teilweise zu überstauen. Dazu werden alte Torfwälle im Gebiet ertüchtigt und neue Wälle gebaut. Bis in diesen Wannen ein funktionsfähiges Moor mit Höhenwachstum entstanden ist, werden mehrere hundert Jahre vergehen: Pro Jahr wächst der Torfkörper nur ca. 1 Millimeter in die Höhe!

Das Jafelgebiet verwandelt sich durch den Schnee in einen Märchenwald.  
Das Jafelgebiet verwandelt sich durch den Schnee in einen Märchenwald.
Die Großdurchlässe im Langen Damm verschwinden im Schnee. Nur das anstehende Wasser und das Geländer weisen auf die Bauwerke hin.  
Die Großdurchlässe im Langen Damm verschwinden im Schnee. Nur das anstehende Wasser und das Geländer weisen auf die Bauwerke hin.
Die Furt im Bohlweg verschwindet unter einer dicken Schicht Schnee, selbst die Findlinge tauchen fast gänzlich im „weißen Meer“ unter.  
Die Furt im Bohlweg verschwindet unter einer dicken Schicht Schnee, selbst die Findlinge tauchen fast gänzlich im „weißen Meer“ unter.
So sieht der Winter im Kucksmoor aus. Durch die aus dem Schnee herausragenden Gräser erscheint das Moor viel bunter.  
So sieht der Winter im Kucksmoor aus. Durch die aus dem Schnee herausragenden Gräser erscheint das Moor viel bunter.
Wieder einen anderen Eindruck macht der vernässte Bereich am Königsdamm.  
Wieder einen anderen Eindruck macht der vernässte Bereich am Königsdamm.
Entlang des Langen Damms kämpft sich der gerade erst wieder gefüllte Jafelbach seinen Weg durch Schnee und Eis.  
Entlang des Langen Damms kämpft sich der gerade erst wieder gefüllte Jafelbach seinen Weg durch Schnee und Eis.
Nur die freien Gleise zeigen, dass die Bahntrasse durch das Gebiet noch genutzt wird.  
Nur die freien Gleise zeigen, dass die Bahntrasse durch das Gebiet noch genutzt wird.
Die Breite Förths verläuft parallel zu den Bahngleisen. Die Spuren zeigen, dass hier nur Wild und Fußgänger unterwegs waren.  
Die Breite Förths verläuft parallel zu den Bahngleisen. Die Spuren zeigen, dass hier nur Wild und Fußgänger unterwegs waren.
Im Jafelweg fließt der Jafelbach durch die neue Furt.  
Im Jafelweg fließt der Jafelbach durch die neue Furt.
Im Großen Moor wurden bereits Pütten zur Renaturierung des Moores angelegt. Die jüngeren sind durch den geringen Bewuchs deutlich von den älteren zu unterscheiden.  
Im Großen Moor wurden bereits Pütten zur Renaturierung des Moores angelegt. Die jüngeren sind durch den geringen Bewuchs deutlich von den älteren zu unterscheiden.
Am Charlottenhof wurde bereits eine Fläche angestaut. Der ursprüngliche Birkenwald ist abgestorben, sodass die notwendigen Lichtverhältnisse für die Moorentstehung wieder gegeben sind.  
Am Charlottenhof wurde bereits eine Fläche angestaut. Der ursprüngliche Birkenwald ist abgestorben, sodass die notwendigen Lichtverhältnisse für die Moorentstehung wieder gegeben sind.
Das Große Moor wird auch landwirtschaftlich genutzt.  
Das Große Moor wird auch landwirtschaftlich genutzt.
Auch im Großen Moor gibt es bewaldete Flächen und kleine Bäche.  
Auch im Großen Moor gibt es bewaldete Flächen und kleine Bäche.
Auf einigen Flächen des NLWKN wurden ebenfalls bereits kleine Gewässer angelegt.  
Auf einigen Flächen des NLWKN wurden ebenfalls bereits kleine Gewässer angelegt.
Eine weitere Besonderheit im Großen Moor: Die Heideflächen, welche sich auf den verbliebenen hohen Resttorfrücken aus Hochmoortorf gebildet haben.  
Eine weitere Besonderheit im Großen Moor: Die Heideflächen, welche sich auf den verbliebenen hohen Resttorfrücken aus Hochmoortorf gebildet haben.

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22.01.2021

Moorschutz unter Strom?

Wasser und Strom – das ist zusammengenommen selten eine gute Idee. Im Moorschutz stellen Stromleitungen aber noch aus einem ganz anderen Grund oftmals eine echte Hürde dar – so auch bei unserer nächsten kleinen Baustelle im Projektgebiet: Hierbei muss der Netzbetreiber LSW für unser Ziel eine Mittelspannungsleitung verlegen. Doch was haben Stromleitungen überhaupt mit Moorschutz zu tun? Der Grund ist ganz praktischer Natur: Denn Trassen für Strom, Gas und Wasser werden häufig in oder neben Wegen verlegt. So auch im Falle des Kucksmoordamms.

Im Kucksmoordamm stellt dieser Dammweg jedoch eine Fließbarrieren für das Wasser dar: Er zerschneidet das Moor so in zwei Teile. Das Wasser kann nur über den Kucksmoorgraben, der durch einen kleinen Rohrdurchlass durchgeführt wird, in den anderen Moorbereich abströmen. Durch die linienhafte, tiefe Grabenführung kann sich das Wasser also nicht flächig im Moor verteilen, sondern strömt nur schnell hindurch, weshalb die Moorfläche zunehmend austrocknet.

Die Niedersächsischen Landesforsten wollen den Kucksmoordamm zukünftig nicht mehr forstwirtschaftlich nutzen, sodass es möglich ist, den Kucksmoordamm im zweiten Bauabschnitt im Spätsommer dieses Jahres vollständig zurückzubauen. Bei diesen Rückbauarbeiten hätte die in ca. 90 cm Tiefe liegende Leitung im schlimmsten Fall beschädigt werden können. Eine denkbare Konsequenz: Stromausfälle in Steinhorst! Daher war es vorausschauend notwendig, die Leitung auf eine Tiefe von drei Metern zu verlegen, sodass sie durch die Bauarbeiten nicht mehr beschädigt werden kann.

Spannend ist der Prozess, mit dem die Leitung verlegt wird: Durch eine sogenannte Spülbohrung wird zunächst ein Leerrohr von einer Baugrube zur anderen eingezogen. In diesem wird in einem zweiten Schritt die Leitung verlegt. Für die Verlegung der Leitung mit einer Länge von 120 m benötigen die Fachleute rund eine Woche.

Wie wichtig der Abbau von Fließbarrieren für die Landschaft ist, zeigt sich im wasserreichen Frühjahr sehr gut an den bereits fertiggestellten Bauwerken: Während der Wald zu Beginn der Bauarbeiten noch sehr trocken war und man sich nur schwer vorstellen konnte, dass hier mal Moor war und wieder entstehen soll, verteilt sich nun Wasser in der Fläche und fließt durch die neuen Bauwerke langsam von Ost nach West.

Für die Verlegung der Leitung wurden zwei Baugruben hergestellt. An dieser wird das Leerrohr in den Boden gezogen.  
Für die Verlegung der Leitung wurden zwei Baugruben hergestellt. An dieser wird das Leerrohr in den Boden gezogen.
In der zweiten Baugrube kommt großes Gerät zum Einsatz.  
In der zweiten Baugrube kommt großes Gerät zum Einsatz.
Die höheren Wasserstände des Frühjahrs sorgen für einen stetigen Wasserstrom durch die Sickerdurchlässe im Königsdamm.  
Die höheren Wasserstände des Frühjahrs sorgen für einen stetigen Wasserstrom durch die Sickerdurchlässe im Königsdamm.
Der im Oktober noch kaum als Bach zu identifizierende, bereits renaturierte Verlauf des Jafelbachs entlang des Langen Damms führt nun endlich wieder Wasser und wird nun seinem Namen gerecht.  
Der im Oktober noch kaum als Bach zu identifizierende, bereits renaturierte Verlauf des Jafelbachs entlang des Langen Damms führt nun endlich wieder Wasser und wird nun seinem Namen gerecht.
Auch die zuvor trockene Furt im Jafelweg hat jetzt ihre Funktion aufgenommen.  
Auch die zuvor trockene Furt im Jafelweg hat jetzt ihre Funktion aufgenommen.
Die Furten im Bohl- und Plattenweg sind zwar nur als Notabflüsse bei starken Regenfällen gedacht, doch zeigt sich, dass sie durch ihre Bauweise auch dazu beitragen, Wasser durch das Bauwerk in die Fläche zu leiten.  
Die Furten im Bohl- und Plattenweg sind zwar nur als Notabflüsse bei starken Regenfällen gedacht, doch zeigt sich, dass sie durch ihre Bauweise auch dazu beitragen, Wasser durch das Bauwerk in die Fläche zu leiten.

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18.12.2020

Stahlgiganten im Moor

Heute war ein aufregender Tag auf der Baustelle: Mit einem Kran mit 100 Tonnen Traglast wurden 14 Tonnen
schwere Durchlassbauwerke in den Langen Damm eingebaut. Durch diese sollen der Jafelbach und der Kucksmoorgraben künftig wieder in ihren natürlichen Betten unter dem Forstweg hindurchgeführt werden.

Bei den ungewöhnlichen Arbeiten auf der Baustelle dabei: ein Film-Team vom NDR. Gefilmt wurde für einen dreiminütigen Beitrag in der Sendung „Hallo Niedersachsen“. Die Dreharbeiten waren auch für uns sehr spannend. Im Rahmen des Interviews galt es, Fragen wie „Warum müssen Moore nass sein?“, „Wie hängen die technischen Bauwerke und der Moorschutz hydrologisch und ökologisch zusammen?“ und „Welchen Nutzen hat der ganze Aufwand für den Klimaschutz?“ zu beantworten. Gar nicht so einfach, so komplexe Themen in derart kurzer Zeit zu behandeln. Wir sind gespannt, wie die vielen Filmaufnahmen und langen Interviews im finalen Beitrag umgesetzt werden!

Insgesamt wurde der erste Bauabschnitt sehr schnell und ohne Schwierigkeiten fertiggestellt. Der Bau von Sickerdurchlässen, Furten und Großdurchlässen bereitet auf die Rückverlegung des Jafelbachs in sein natürliches Bachbett vor, denn der Bach muss in seinem Verlauf mehrere Barrieren in Form von Wegen überwinden. Wöchentlich konnte der Fortschritt des Wiedervernässungsvorhabens bewundert werden. Bereits in wenigen Tagen sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Als erste Bauwerke wurden die Sickerdurchlässe im Königsdamm fertiggestellt. Sie ermöglichen es, dass bei hohen Wasserständen das im östlichen Bereich anstehende Wasser an drei Stellen durch den Königsdamm abfließen kann.  
Als erste Bauwerke wurden die Sickerdurchlässe im Königsdamm fertiggestellt. Sie ermöglichen es, dass bei hohen Wasserständen das im östlichen Bereich anstehende Wasser an drei Stellen durch den Königsdamm abfließen kann.
Mit großer Präzision wurden per Bagger die großen Wasserbausteine für die Furten im Jafel-, Bohl- und Plattenweg gesetzt.  
Mit großer Präzision wurden per Bagger die großen Wasserbausteine für die Furten im Jafel-, Bohl- und Plattenweg gesetzt.
Unauffällig fügen sich die fertigen Furten in den Forstweg ein. Darum wurden die Furten als Hinweis für den forstwirtschaftlichen Betrieb mit großen Findlingen an den Enden gekennzeichnet.  
Unauffällig fügen sich die fertigen Furten in den Forstweg ein. Darum wurden die Furten als Hinweis für den forstwirtschaftlichen Betrieb mit großen Findlingen an den Enden gekennzeichnet.
Im frühen Morgengrauen wurden die Betonteile der Großdurchlässe angeliefert.  
Im frühen Morgengrauen wurden die Betonteile der Großdurchlässe angeliefert.
Auch das Platzieren der sogenannten Hauben auf dem Fundament erforderte wieder höchste Präzision. Damit die Baugrube nicht mit Wasser volllief, wurde kurzzeitig das Wasser abgepumpt.  
Auch das Platzieren der sogenannten Hauben auf dem Fundament erforderte wieder höchste Präzision. Damit die Baugrube nicht mit Wasser volllief, wurde kurzzeitig das Wasser abgepumpt.

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10.11.2020

Startschuss am Jafelbach

Diesen Monat starten die ersten Bauarbeiten im Projektgebiet im NSG „Obere Lachte, Kainbach, Jafelbach“.
Die Maßnahmen konzentrieren sich auf den Verlauf des Jafelbachs und bereiten auf die Rückverlegung des
Bachs in sein natürliches Bett vor. Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren mit nur geringen Niederschlägen
zeigt sich das Gebiet leider sehr trocken. Schlecht für unser erklärtes Ziel, aber eine wesentliche Erleichterung
für die Baumaßnahmen! Künftig soll das Gebiet wieder feuchter werden und sich das ursprüngliche Quell-
und Durchströmungsmoor des Jafelbachs regenerieren.

Gerade diese letzten sehr trockenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig Moore für das Klima und den Landschaftswasserhaushalt sind. Die besonderen Bedingungen im Moor entstehen im Zusammenspiel von hohen Wasserständen und der moortypischen Vegetation. Das im Moor stehende Wasser ist sauerstoffarm und sauer, zudem setzten die torfbildenden Moorpflanzen, die sogenannten Sphagnum-Moose, Gerbstoffe frei. Unter diesen Bedingungen können sich nur wenige bodenlebende Organismen ansiedeln, wodurch die Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile nur stark verlangsamt ablaufen kann.

In der Bilanz wird dadurch in Mooren mehr Biomasse auf- als abgebaut. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass
das in der abgestorbenen Moorvegetation (Torf) gebundene CO2 dauerhaft gebunden und gespeichert bleibt. Wenn jedoch das Wasser fehlt, sei es durch aktive Entwässerung oder zu geringe Niederschläge, kommen die natürlichen Zersetzungsprozesse wieder in Gang. Die Konsequenz: Der gebundene Kohlenstoff kann als CO2 wieder in die Atmosphäre freigesetzt werden.

Durch ihren Aufbau wirken Moorböden zudem wie ein großer, natürlicher Wasserspeicher. Bei Regen können sie – wie ein Schwamm – große Mengen Wasser aufnehmen, und sie geben das Wasser nur langsam wieder an die Umgebung ab. Dadurch können z. B. durch Starkregenereignisse verursachte Hochwasserspitzen in Bächen und Flüssen reduziert und der Grundwasserspiegel auch in niederschlagsarmen Phasen auf einem hohen Niveau gehalten werden. Dies ist für die Wasserversorgung von Natur, Land- und Forstwirtschaft sehr wichtig.

Der Jafelbach wurde künstlich vertieft, um das Jafelmoor zu entwässern. Im November 2020 ist dieser Entwässerungsgraben am Plattenweg ausgetrocknet.  
Der Jafelbach wurde künstlich vertieft, um das Jafelmoor zu entwässern. Im November 2020 ist dieser Entwässerungsgraben am Plattenweg ausgetrocknet.
Ohne Wasser verschwindet entlang des Langen Damms ein bereits renaturierter Abschnitt des Jafelbachs im Unterholz.  
Ohne Wasser verschwindet entlang des Langen Damms ein bereits renaturierter Abschnitt des Jafelbachs im Unterholz.
Am Jafelweg ist noch ein wenig zu erkennen, wo der Jafelbach ursprünglich verlief, doch ist auch hier das Bachbett trocken.  
Am Jafelweg ist noch ein wenig zu erkennen, wo der Jafelbach ursprünglich verlief, doch ist auch hier das Bachbett trocken.
Östlich des Königsdamms wurden bereits Vernässungsmaßnahmen umgesetzt. Selbst bei der sonst vorherrschenden Trockenheit ist hier Wasser zu finden.  
Östlich des Königsdamms wurden bereits Vernässungsmaßnahmen umgesetzt. Selbst bei der sonst vorherrschenden Trockenheit ist hier Wasser zu finden.
EFRE  

Hintergrundinformationen

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Ines Bruchmann

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Betriebsstelle Süd
Rudolf-Steiner-Str. 5
D-38120 Braunschweig
Tel: +49 (0)531 / 88691-278
Fax: +49 (0)531 / 88691-272

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