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Fachtag Frühe Hilfen 2019

Alle Menschen haben ein angeborenes Grundbedürfnis nach Bindung. Bindung bietet Geborgenheit, Nähe und Zuwendung und hat eine Schutzfunktion - besonders in Situationen von Angst, Verunsicherung oder Stress. Deshalb strebt jedes Kind im ersten Lebensjahr danach, mindestens eine feste Bindung zu einer emotional nahestehenden Person aufzubauen. Diese erste Bindung ist prägend für die weiteren Beziehungen im Leben.

Eine sichere Bindung ist mit deutlichen Entwicklungsvorteilen verbunden. Die Resilienzforschung sieht die sichere Bindung als mächtigsten Schutzfaktor für die gesunde Entwicklung eines Kindes an. Sind Eltern-Kind Bindungen aber belastet bzw. gestört, kann dies die Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Hier leisten die Frühen Hilfen einen wichtigen Beitrag als Unterstützungssystem.

Am 14. Februar 2019 fand der Fachtag Frühe Hilfen unter dem Schwerpunkt Bindungsentwicklung von Geburt an und Förderung der Eltern-Kind-Beziehung in Hannover statt. Rund 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Niedersachsen folgten der Einladung der Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen im niedersächsischen Landesjugendamt.

Die große Nachfrage an dem Fachtag zeigt, wie wichtig die Gelegenheit zu Austausch und Vernetzung ist. Die Veranstaltung war innerhalb von wenigen Tagen nach Veröffentlichung des Programms bereits ausgebucht. In den 54 Jugendamtsbezirken in Niedersachsen haben sich die Netzwerke Früher Hilfen mittlerweile nach den Jahren des Aufbaus fest etabliert und entwickeln nun kontinuierlich Qualität und Nachhaltigkeit ihrer Angebote weiter.

Es besteht daher ein großes Interesse an Qualifizierungsmaßnahmen. Für 2019 ist deshalb wieder eine Reihe von Fortbildungsmaßnahmen mit Landesförderung vorgesehen. Der Fachtag unterstützt die Mitwirkenden in den Netzwerken Früher Hilfen dabei fachlich und methodisch, in diesem Jahr zum Thema „Bindung(sstörungen) und Auswirkungen auf die frühkindliche Entwicklung - Frühe Hilfen als Unterstützungssystem“.

Nach Grußworten von Dr. Dirk Härdrich, stellvertretender Leiter des Landesjugendamtes und Birgit Maaß, Referatsleiterin im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung erhielten die Teilnehmenden erste Anregungen durch Vorträge:

Prof. Dr. Gerhard Suess von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg sprach über den derzeitigen Stand der Bindungsforschung und schlug einen Bogen zur Praxis in den Frühen Hilfen. Er wies insbesondere darauf hin, dass sich Feinfühligkeit sowie der reflexive Umgang mit den eigenen Bindungserfahrungen dabei als zwei zentrale, grundlegende Mechanismen in der Bindungsentwicklung erwiesen hätten.

Im zweiten Vortrag nahm Kerstin Held, Vorsitzende des Bundesverbandes behinderter Pflegekinder und selbst Pflegemutter, die Anwesenden mit auf eine Reise durch den Alltag mit behinderten (Pflege)Kindern. In sehr lebendigen Bildern schilderte sie die Möglichkeiten aber auch Grenzen in der Bindungsentwicklung bei behinderten Kindern.

Am Nachmittag gab es die Möglichkeit, in sechs zum Teil sehr praxisorientierten Workshops diverse Programme zur Stärkung und Entwicklung der Eltern-Kind-Bindung kennen zu lernen und sich mit Methoden und Praxiserfahrungen auseinanderzusetzen. Die Bandbreite reichte von der vorgeburtlichen Bindung über zum Teil bereits evaluierte Ansätze wie Opstapje, STEEP™, SAFE® oder EEH. Aber auch die eigens für die Frühen Hilfen entwickelten NEST-Materialien wurden vorgestellt.

Die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin stellte in einem zusätzlichen Workshop ihr Programm der Präventionsketten in Niedersachsen vor, welches einige Schnittmengen zu den Frühen Hilfen aufweist.

 
Dr. Dirk Härdrich, Landesjugendamt Niedersachsen
 
Birgit Maaß, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
 
Prof. Dr. Gerhard Suess, HAW Hamburg
 
Kerstin Held, Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V.
 
Fachtag Frühe Hilfen 2019
 
Workshop Opstapje
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