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Beschneidung oder Genitalverstümmelung: Was ist der richtige Begriff?

Vielfach – durchaus auch von Betroffenen selbst – wird der Begriff „Beschneidung“ verwendet, in Anlehnung an die Vorhautbeschneidung des männlichen Genitals. Dieser Vergleich ist angesichts der unterschiedlichen Folgen unangemessen. Weibliche „Beschneidung“ führt immer zu schwerwiegenden Verletzungen der äußeren Genitalien. Es gibt verschiedene Ausführungsformen dieser Praktiken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle ist damit die Entfernung oder teilweise Entfernung des sichtbaren Teils der Klitoris und/oder das Verschließen der Vaginalöffnung gemeint. In jedem Fall erfolgt aber eine nachhaltige Verletzung des sichtbaren Teils der Klitoris. Das Leben und Erleben von Sexualität wird durch diesen Eingriff in der Regel und nicht nur in Ausnahmefällen extrem eingeschränkt. Damit geht diese Form der „Beschneidung“ weit über die Folgen einer Vorhautbeschneidung des Penis hinaus. Schon aus diesem Grunde ist der Begriff „Verstümmelung“ weitaus treffender.


Respekt ist der Maßstab

Dennoch gelingt es vielen Betroffenen, trotz alledem ein glückliches und erfüllendes Leben zu führen. Sie fühlen sich ungeachtet der körperlichen und seelischen Beschädigungen voll und ganz als Frau und möchten deshalb auch nicht „verstümmelt“ genannt werden. Gerade diesen Frauen schulden wir es, sie als Persönlichkeit mit all ihren Facetten und einer Fülle von Ressourcen zu respektieren. Und darum ist es auch besonders wichtig deutlich zu machen, dass es nicht darum geht, die Betroffenen zu diskriminieren oder gar ihre Weiblichkeit in Frage zu stellen. Es geht einzig und allein darum, nachwachsende Generationen vor dem unsagbaren seelischen und körperlichen Schmerz zu bewahren, der mit einer Genitalverstümmelung verbunden ist.

Da die Betroffenen selbst den Begriff „Beschneidung“ vielfach verwenden und mit diesem Begriff über ihr Erleben sprechen möchten, gebietet es der Respekt sich im persönlichen Gespräch ungeachtet von Fachbegriffen an dem zu orientieren, was die Frauen für sich als richtig empfinden.

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