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Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen

Frank Dührkohp (VZG), Dagmar Schmidt (BBK) und Veronika Olbrich (MWK)

Einführung

Datenbanken stellen ein bewährtes Instrument für die übersichtliche Archivierung von künstlerischen Werken dar: Künstlerinnen und Künstler haben die Möglichkeit, die Datenbank selbstständig und kontinuierlich zu erweitern. Eine langfristige Sicherung und Bewahrung der Daten ist ganz im Sinne des digitalen kulturellen Erbes. Deshalb ist es folgerichtig, die digital erfassten Werke in einem zentralen Pool an einer öffentlichen Einrichtung anzusiedeln.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) hat in Zusammenarbeit mit dem Bund Bildender Künstler für Niedersachsen e.V. (BKK) und der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (VZG) im Frühjahr 2017 das Pilotprojekt „Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen“ gestartet. Ziel des Projekts ist es, die Datenbank als Arbeitswerkzeug für niedersächsische Künstlerinnen und Künstler einzuführen, für Nachlässe nutzbar und vor allem alltagstauglich für die Zukunft zu machen.

Voraussetzungen

Viele Künstlernachlässe sind bedeutendes Kulturgut. Doch nicht alle Nachlässe können Aufnahme in Museen und Sammlungen finden.
Das MWK hat daher im September 2016 niedersächsische Künstlerinnen und Künstler, den BBK, die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, die Stiftung Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassenstiftung sowie Vertreterinnen und Vertreter von Nachlasseinrichtungen und Museen in Niedersachsen zu einem Round Table eingeladen, um gemeinsam Strategien für die Sicherung der Künstlernachlässe in Niedersachsen zu erarbeiten und umzusetzen.
Die Beteiligten waren sich einig darüber, dass es nicht Länderaufgabe ist, physische Nach-lässe von Künstlerinnen und Künstlern – weder in Teilen noch im Ganzen – zu bewahren. Die Verantwortung hierfür liegt vielmehr bei den Künstlerinnen und Künstlern selbst sowie deren Erben. Bedarf wurde vielmehr bei der Unterstützung von Digitalisierungs¬maßnahmen gesehen.
Infrastruktur
Vor diesem Hintergrund erarbeitete das MWK in Kooperation mit dem BKK ein Konzept für eine digitale Künstlerdatenbank Niedersachsen. Dazu wurde die VZG als niedersäch¬sischer Landesbetrieb mit der Entwicklung einer technischen Umsetzung in Anbindung an das bereits bestehende Portal „Kulturerbe Niedersachsen“ beauftragt. „Kulturerbe Niedersachsen“ ist ein gemeinsames Internetangebot von Bibliotheken, Archiven und Museen des Landes Niedersachsen. Das Portal bietet der Öffentlichkeit einen direkten, multimedialen Zugang zu ausgewählten digital erfassten Kulturgütern in Niedersachsen.

Mit der bestehenden Infrastruktur von Portal und Erfassungssoftware, die von der VZG gemeinsam mit den niedersächsischen Gedächtnisinstitutionen in Landesträger¬schaft entwickelt und dauerhaft betrieben wird, steht in Niedersachsen ein technisches Gesamtkonzept zur Verfügung, um Künstlerinnen und Künstler schon frühzeitig bei der Digitalisierung ihres Werks zu unterstützen.

Objekterfassung

Zur Erschließung der Kunstwerke wird die Datenbank kuniweb (KulturerbeNiedersach-senWeberfassung) genutzt. kuniweb ist eine Erfassungsdatenbank für Museumsbestände auf Basis der Software easydb.museum. Sie ermöglicht das Archivieren, Verwalten und Recherchieren von digitalen Bild- und Multimedia-Daten sowie die entsprechende Eingabe von musealen Metadaten und kann zur Erfassung und Verwaltung unterschied¬lichster Bestände verwendet werden. Etwa 20 verschiedene Datenfelder sind mit natio¬nalen und internationalen Normdaten hinterlegt.

Da kuniweb web- und browserbasiert ist, beschränken sich die Systemvoraussetzungen für die Nutzerinnen und Nutzer auf einen Internetbrowser und eine Internetverbindung. Die Erfassungsdatenbank eignet sich zur Verwaltung und Erstellung von Werkver¬zeichnissen durch die Künstlerinnen und Künstler selbst oder deren Erben. Die intuitiv verständliche Handhabung ermöglicht auch wenig computeraffinen Nutzerinnen und Nutzern einen leichten Einstieg. Die Datenbank-Software ermöglicht eine Vernetzung in nationale und internationale fachlich schlüssige Zusammenhänge wie die Deutsche Digitale Bibliothek und europäische Kulturnetzwerke.

Pilotprojekt

Für das Pilotprojekt wurde zunächst die digitale Erfassung von Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler unterstützt und erprobt. Das Pilotprojekt startete im September 2017 mit den Kernwerken von 25 Künstlerinnen und Künstlern aus Niedersachsen, die älter als 70 Jahre waren und Kriterien erfüllten, die im Rahmen des Round Table erarbeitet worden waren. Die Pilotpartner wurden vom BBK in die Nutzung der Datenbank eingewiesen und bei der Dateneingabe unterstützt. In einem zweiten Schritt werden parallel auch Künstlerinnen und Künstler der Jahrgänge 1948 bis 1958 in das Pilotprojekt einbezogen.

Portal

Ziel des Portals „Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen“ (https://www. kuenstlerdatenbank.niedersachsen.de) und der Erfassungsdatenbank ist es, Künstler-nachlässe in Niedersachsen sichtbar zu machen und die öffentliche Wahrnehmung von niedersächsischen Künstlerinnen und Künstlern zu fördern. Analog zu den im Portal „Kul-turerbe Niedersachsen“ digital verfügbaren Beständen niedersächsischer Sammlungen wird das Portal Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen aus dem dazuge¬hörigen Datenbank-Pool aus kuniweb gespeist. Neben den Werken aus der Erfassungs¬datenbank können biografische Daten, Werktexte, Hinweise auf Werke in öffentlichen Sammlungen, Verzeichnisse von Ausstellungen und Publikationen über ein Content- Management-System aufgenommen, verwaltet und publiziert werden.

Zur Schaffung von Synergien mit dem Portal „Kulturerbe Niedersachsen“ wird die Open Source Software Goobi-Viewer eingesetzt. Die Portalsoftware ermöglicht nicht nur den Zugriff auf die Kunstwerke über eine einfache und eine erweiterte Suche, sondern auch ein intuitives Browsing über Personen, Werke, Kategorien und Orte im Portal. Das responsive Design erlaubt eine Nutzung des Portals auch über mobile Endgeräte

Ausblick

Die technische Infrastruktur soll zukünftig allen niedersächsischen Künstlerinnen und Künstlern sowie deren Erben zur Verwaltung und Erstellung von Werkverzeichnissen und zur Publikation über das Portal zur Verfügung gestellt werden. Künstlerinnen und Künstler, die ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt in Niedersachsen haben, können sich nach Abschluss des Pilotprojektes beim BBK für eine Aufnahme in das Portal bewerben. Dazu wurde ein Aufnahmeverfahren mit einem Kriterienkatalog entwickelt. In einem nächsten Schritt sollen Erben angesprochen und Nachlässe von Künstlerinnen und Künstlern verzeichnet, digitalisiert und über das Portal publiziert werden. Der technische Regelbetrieb des Portals sowie die Erschließungsdatenbank liegen bei der VZG.

Durch das qualifizierte Aufnahmeverfahren, das unter anderem die Einhaltung von festgelegten Kriterien beinhaltet, und seine Anbindung an die VZG als Landeseinrichtung ist das Portal bundesweit Vorreiter.

Das Projekt „Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen“ ist Teil des Masterplans Digitalisierung der niedersächsischen Landesregierung.


Dieser Text ist zuerst erschienen in VZG aktuell – Neues aus der Zentrale. Ausgabe 02 2018. https://www.gbv.de/Verbundzentrale/Publikationen/broschueren/vzg-aktuell/VZG_Aktuell_2018_02.pdf


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