Niedersachen klar Logo

Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen

Menschen mit Fluchthintergrund tragen auch in Niedersachsen zunehmend zum Beschäftigungsaufwuchs und zur Absicherung des Fachkräftebedarfs bei: Mehr als 20.000 geflüchtete Menschen haben in Niedersachen in den letzten Jahren bereits eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden!

Durch arbeitsmarktpolitische Unterstützungsmaßnahmen setzten wir uns dafür ein, dass geflüchtete Menschen möglichst frühzeitig an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

Zum Ausbau einer lückenlosen Förderkette für die Zielgruppe haben wir daher in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitsmarktpartnern aus der „Fachkräfteinitiative Niedersachsen“ und dem Bündnis " Niedersachsen packt an" vielfältige Maßnahmen und Initiativen ergriffen, die die Integrationsangebote des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Bundesregierung sowie die von den Arbeitsagenturen und Jobcentern ausgeführten gesetzlichen Arbeitsförderinstrumente ergänzen:


Netzwerkarbeit und Zusammenarbeit an den Schnittstellen

Nach Ansicht der Landesregierung erfordert eine möglichst schnelle und erfolgreiche Arbeitsmarktintegration eine enge Kooperation aller verantwortlichen Stellen und möglichst reibungslose Übergänge an den Schnittstellen. Die Kommunalen Spitzenverbände in Niedersachsen, die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit und das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung haben deshalb mit Praktikern der örtlichen Ebene gemeinsame Empfehlungen für eine gute Zusammenarbeit an diesen Schnittstellen erarbeitet. Ziel ist der flächendeckende Aufbau örtlicher Steuerungs- und Koordinierungskreise und die Schaffung verbindlicher Strukturen der Zusammenarbeit vor Ort.

Eine wichtige Voraussetzung für eine gesellschaftliche Integration und die Eingliederung von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt ist der Erwerb der deutschen Sprache. Trotz des großen Engagements aller Beteiligten fehlt es oftmals vor Ort an einem Gesamtüberblick über die verschiedenen Programme, an Transparenz über die örtlichen Bedarfe und an einer abgestimmten Zugangssteuerung in die Kurse. Daher haben sich die beteiligten Partner darüber hinaus zu besseren Koordinierung der Sprachförderung auf „ Gemeinsame Empfehlungen zur Koordinierung der Sprachförderung auf regionale Ebene“ ( aktualisierte Anlagen 1 und 2) verständigt. Die gemeinsamen Empfehlungen sollen in erster Linie zur Intensivierung der Zusammenarbeit und zur Verbesserung der Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Institutionen vor Ort dienen.

Unterstützung des allgemeinen und berufsbezogenen Deutsch-Spracherwerbs

Der Erwerb allgemeiner Deutschsprachkenntnisse erfolgt für Flüchtlinge i.d.R. im Rahmen der deutschlandweit vom BAMF koordinierten " Integrationskurse". Diese umfassen einen Sprachkurs und einen Orientierungskurs, in dem grundlegende Informationen zur deutschen Rechtsordnung sowie zum Alltag und zu den Werten des Zusammenlebens in Deutschland vermittelt werden. Ziel des Sprachkurses ist das Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) für Sprachen, mit dem eine klare Standardsprache in den Bereichen Persönliches/Familie, Arbeit und Freizeit ermöglicht wird.

Daneben bietet das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur u. a. im Bereich der Erwachsenenbildung seit Oktober 2015 umfangreiche Sprachlernangebote für Flüchtlinge an, die von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung koordiniert werden.

Im Bereich der berufsbezogenen Sprachförderung ist auf die vom BAMF bundesweit koordinierten Kursangebote aus der Berufsbezogenen Deutschsprachförderung nach § 45a des Aufenthaltsgesetztes hinzuweisen. Eine Liste der zugelassenen Kursträger ist beim BAMF veröffentlicht.

Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Anerkennung von Auslandsqualifikationen

Unter den aufgenommenen Flüchtlingen befindet sich ein hoher Anteil junger Menschen, für die gute Chancen zur Arbeitsmarktintegration über eine Berufsausbildung bestehen. Zur Orientierung insbesondere jüngerer Flüchtlinge über mögliche Ausbildungsgänge setzen wir einen Schwerpunkt zur Berufsorientierung in Handwerksberufen:

Dazu unterstützen wir eine Neuprojektierung des "Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber ( IHAFA)" der sechs Handwerkskammern bis Ende 2022. Projektziel ist die Vorbereitung von interessierten Flüchtlingen auf eine Handwerksausbildung und ihre Betreuung während der Ausbildung. Die IHAFA-Beraterinnen und -Berater der Kammern vermitteln Geflüchtete in individuell geeignete Maßnahmen zur Berufsorientierung und Eignungsfeststellung sowie in Praktika, Ausbildung und Beschäftigung. Ferner beraten sie interessierte Handwerksunternehmen.

Das landesweite „Sprach- und Integrationsprojekt SPRINT“ des Niedersächsischen Kultusministeriums, gestartet im Jahr 2015, kombiniert Sprachförderung und Berufsorientierung. Zusätzlich wurde auch das Projekt "SPRINT-Dual" erarbeitet, eine 6 bis 9 monatige Maßnahme für jugendliche Flüchtlinge zur Vorbereitung auf eine betriebliche Ausbildung. Mit Beginn des Schuljahres 2019/2020 werden die Sprach- und Integrationsprojekte dauerhaft in der neu konzipierten zweijährigen Berufseinstiegsschule (BES) an den öffentlichen berufsbildenden Schulen verankert.

Für Flüchtlinge, die bereits über berufliche Abschlüsse und Berufserfahrungen verfügen, kann eine formale Anerkennung ihrer Qualifikationen in Betracht kommen. Erstberatung zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse leistet das Netzwerk „Integration durch Qualifizierung (IQ) Niedersachsen“ mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Umfassende Auskünfte zu vielfältigen Fragen der Anerkennung ausländischer Abschlüsse bietet darüber hinaus das beim Bundesinstitut für Berufsbildung eingerichtete mehrsprachige Informationsportal " Anerkennung in Deutschland".


Flankierende Maßnahmen für Unternehmen und Multiplikatoren

Neben der personenbezogenen Arbeitsmarktförderung von Flüchtlingen unterstützen wir zur Absicherung des Fachkräftebedarfs auch Unternehmen und regionale Arbeitsmarktakteure als Multiplikatoren, damit die Betriebe Fachkräfte, Studierende, Auszubildende und Praktikanten aus dem Ausland mit und ohne Fluchthintergrund noch stärker in ihrer Personalrekrutierung berücksichtigen können und Unsicherheiten abgebaut werden.

Dazu fördern wir im Zeitraum vom 01.06.2018 bis zum 31.05.2020 unterstützten mit rd. 80.000 Euro aus Landesmitteln die Zentrale Beratungsstelle Ausländer/-innen und Fachkräftesicherung (ZBS AuF) beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück e. V als Informationsangebot zu rechtlichen und praktischen Fragen rund um die Ausbildung und Beschäftigung von Zuwanderinnen und Zuwanderern.

Darüber hinaus unterstützen wir die Unternehmen in Niedersachsen gezielt bei der Ansprache von Flüchtlingen zur Nachwuchsgewinnung und der innerbetrieblichen Integration. Dafür fördern wir landesweit 23 Modellprojekte Überbetriebliche Integrationsmoderatorinnen und -moderatoren. Die Projekte bringen Geflüchtete und Betriebe zu Ausbildungen, Praktika und Beschäftigungsverhältnissen zusammen und begleiten beide Seiten bei der betrieblichen Integration. Außerdem bieten sie praktische Hilfe im Arbeitsalltag, etwa bei Abstimmungen mit Behörden und Berufsschulen, durch Moderation bei Konflikten oder durch Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Fortbildungsmöglichkeiten.

Angesichts besonderer ortsspezifischer Herausforderungen des sozialen und ökonomischen Strukturwandels unterstützen wir am Standort Salzgitter im Zeitraum vom 01.12.2017 bis zum 30.11.2019 ferner das Vorhaben "MigrantInnen im Modellprojekt Integrationscoaching - MiMIC".



zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln