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Verfahren gegen Niels Högel - Informationen zu den Anklagevorwürfen und zum Verfahren

1. Vorige Verurteilungen

Der Angeklagte Niels Högel wurde bereits am 26.2.2015, rechtskräftig seit dem 9.3.2015, wegen Mordes in zwei Fällen, wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen sowie wegen gefährlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall - unter Einbeziehung des Urteils des Landgerichts Oldenburg vom 23.6.2008 - zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld wurde mit diesem Urteil festgestellt.


2. Anklagevorwürfe

Gegen den Angeklagten sind nunmehr drei weitere Anklagen erhoben und zur Hauptverhandlung zugelassen worden, die ihm 99 weitere Morde zur Last legen. Eine vierte Anklage mit einem 100. Tatvorwurf des Mordes ist durch die Staatsanwaltschaft noch am 15.10.2018 erhoben, ein Eröffnungsbeschluss durch das Landgericht jedoch noch nicht erlassen worden. Eine Verbindung und gemeinsame Verhandlung ist nach derzeitiger Aktenlage vom Landgericht geplant.

Dem Angeklagten wird in den Anklagen zur Last gelegt, in seiner beruflichen Position als Krankenpfleger Patienten durch die Verabreichung nicht indizierter Stoffe bzw. Medikamente, namentlich Kalium, Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), Sotalex (Wirkstoff Sotalol), Xylocain (Wirkstoff Lidocain) und Cordarex (Wirkstoff Amiodaron) getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er dies tat, um eine lebensbedrohliche Lage hervorzurufen, die er habe nutzen wollen, um seine Fähigkeiten in der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten darzustellen. Ihm sei dabei bewusst gewesen, dass die von ihm injizierten Wirkstoffe in den von ihm gegebenen Mengen und bei nicht gegebener Indikation bei den Patienten lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern und einer elektromechanischen Entkopplung sowie Blutdruckabfall auslösen und die Patienten letztendlich sterben können.

Die Taten sollen zwischen dem 7.2.2000 und dem 24.6.2005 begangen worden sein.

Die mutmaßlichen Opfer des Angeklagten waren zwischen 96 Jahren und 34 Jahren alt.

Von den 99 bereits zur Hauptverhandlung zugelassenen Fällen sollen sich 35 in Oldenburg und 64 in Delmenhorst zugetragen haben. Im 100. Fall geht die Staatsanwaltschaft von einem Tatort in Oldenburg aus.

Der Angeklagte war von Juni 1999 bis Oktober 2002 im Klinikum Oldenburg, ab Dezember 2002 bis zu seiner Festnahme am 8.7.2005 im Klinikum Delmenhorst beschäftigt.


3. Organisatorischer Hintergrund

Dem Verfahren haben sich nunmehr 126 Angehörige der Verstorbenen als Nebenklägerinnen und Nebenkläger angeschlossen, die durch 17 Nebenklägervertreter vertreten werden. Die bereits dadurch große Zahl von Verfahrensbeteiligten machte die Verlegung der Sitzungen in die Weser-Ems-Hallen erforderlich.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihren 3 Anklagen 23 Zeugen und 11 Sachverständige, und zwar toxikologische wie rechtsmedizinische Sachverständige, benannt. Davon stammen 4 Sachverständige aus der Türkei. Gerichtliche Zeugenladungen sind noch nicht veranlasst worden, und zwar im Hinblick darauf, dass noch nicht abzusehen ist, welche Zeit für die Einlassung des Angeklagten benötigt wird.

Das Gericht hat außerdem einen forensischen Sachverständigen zur Beurteilung der Schuldfähigkeit und einen psychologischen Sachverständigen zur Begutachtung zur Glaubhaftigkeit bestellt.

Die Schwurgerichtskammer setzt zur Verfahrenssicherung außerdem einen Ergänzungsrichter sowie 3 Ergänzungsschöffen ein, die im Falle von krankheitsbedingten Ausfällen im jetzigen Spruchkörper das ausscheidende Mitglied ersetzen können.

Folgende Sitzplätze sind für die Verfahrensbeteiligten und unterstützende Kräfte (ohne die im Saal anwesenden Justizwachtmeister) nötig:

Angeklagter und Verteidigerinnen: 3 Spruchkörper: 5 Nebenklagevertreter: 17 Nebenklägerinnen und Nebenkläger: 126 Protokollkräfte: 2 Staatsanwaltschaft: 2 Ergänzungsschöffen: 3 Ergänzungsrichter: 1 Opferbetreuer: 10

Überdies sind 198 Sitzplätze für die Öffentlichkeit vorhanden, davon etwa 80 Plätze für Medienvertreter.

Es werden an jedem Verhandlungstag bis zu 30 Justizwachtmeisterinnen/Justizwachtmeister für die Innensicherung eingesetzt werden. Das Landgericht wird dabei durch zahlreiche Justiz-wachtmeister aus verschiedenen Gerichten des OLG-Bezirks wie auch durch das Einsatzteam Niedersachsen unterstützt. Die Polizei Oldenburg unterstützt das Gericht durch die Außensicherung des Verhandlungsortes.

Artikel-Informationen

23.10.2018

Ansprechpartner/in:
Frau Dr. Melanie Bitter

Pressesprecherin
Elisabethstr. 7
26135 Oldenburg

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