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Förderung von Kindern mit Behinderung durch Einzelintegration in Regel-Kindergärten (3. Geburtstag bis zur Einschulung)

Das Angebot einer integrativen Förderung von Kindern richtet sich an Kinder mit Behinderung ab Vollendung des 3. Lebensjahres (3. Geburtstag) bis zur Einschulung.
Für Kinder, die von einer Behinderung bedroht sind (vgl. Beitrag „Aufgaben der Eingliederungshilfe") gelten die nachfolgenden Aussagen ebenfalls.

In der Einzelintegration wird ein Kind mit Behinderung gemeinsam mit nicht behinderten Kindern gefördert. Im Gegensatz zur Gruppenintegration nimmt der Kindergarten bei der Einzelintegration immer nur ein einzelnes Kind mit Behinderung auf. Bei der integrativen Förderung profitieren Kinder mit Behinderung und nicht behinderte Kinder gegenseitig voneinander.

In der Einzelintegration erhält das Kind mit Behinderung heilpädagogische Leistungen, d. h. Leistungen der Eingliederungshilfe nach
§ 54 Abs. 2 Satz 1 SGB XII (Sozialgesetzbuch - 12. Buch) in Verbindung mit
§ 55 Abs. 2 Nr. 2 SGB IX und § 56 SGB IX (Sozialgesetzbuch - 9. Buch).
Die heilpädagogische Förderung des Kindes mit Behinderung beinhaltet behinderungsspezifisch erforderliche Fördermaßnahmen wie beispielsweise:

  • Entwickeln und Fördern der Selbständigkeit,
    z.B. Einüben der Verrichtungen des täglichen Lebens
    (An- und Auskleiden, Einnehmen der Mahlzeiten, Toilettennutzung und Körperpflege)

  • Förderung der emotionalen, körperlichen und geistigen Entwicklung

  • Förderung der Konzentration und der Ausdauer

  • Entwickeln der Antriebskräfte

    und

  • Entwickeln und Fördern des Sozialverhaltens.


Die heilpädagogische Förderung in der Einzelintegration dient dem gleichen Zweck wie die Förderung in einem Sonderkindergarten für Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung. Diese Leistungen in der Einzelintegration bzw. in einem Sonderkindergarten sind gleichartig und gleichermaßen bedarfsdeckend.
Nach § 4 Abs. 3 SGB IX sollen Kinder mit Behinderung jedoch möglichst mit nicht behinderten Kindern gemeinsam betreut werden. Die integrative Förderung entspricht diesem Auftrag deutlich mehr als die Betreuung in Sondereinrichtungen.

Für Kinder mit einer Sprach- oder Hörbehinderung ist aber zu beachten, dass in der Einzelintegration keine sprach- und hörspezifische Förderung erfolgt, die der Förderung in einem Sonderkindergarten für Kinder mit einer Hörbehinderung oder einem Sprachheilkindergarten entspricht.

Die Bewilligung einer Leistung der Einzelintegration kommt nur in Betracht, wenn bei dem Kind aufgrund der Behinderung ein individueller Bedarf auf Förderung von mindestens 10 Stunden pro Woche und eine Betreuungszeit von mindestens 5 Zeitstunden pro Tag an allen Werktagen in der Woche besteht. Kinder mit Behinderung, bei denen diese zeitlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, können einen Anspruch auf ambulante Leistungen der Eingliederungshilfe besitzen. Eine Aufnahme in die Einzelintegration ist hierfür aber weder erforderlich noch möglich.


Informationen insbesondere für Eltern und andere personensorgeberechtigte Personen:
Wenn Sie für Ihr Kind eine Leistung der Einzelintegration in einer Gruppe wegen einer körperlichen oder geistigen Behinderung bzw. einer Hör- oder Sehbehinderung beantragen wollen oder Informationen zur Einzelintegration wünschen, wenden sie sich bitte an das Sozialamt des Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt, in deren Bezirk das Kind wohnt, und nicht an das Landessozialamt.

Die Adressen der Landkreise und kreisfreien Städte erfahren Sie über deren Internetauftritte unter
http://www.niedersachsen.de/master/C8655614_N1701814_L20_D0_I198.html

Für Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung bzw. einer Sinnesbehinderung, die in den Städten Celle, Göttingen, Hildesheim, Lingen/Ems, der Landeshauptstadt Hannover oder der Hansestadt Lüneburg wohnen, wenden Sie sich bitte an die Sozialämtern dieser Städte, deren Adressen Sie über die vorstehend hinterlegten Links finden.

Wenn die Aufnahme wegen einer seelischen Behinderung erfolgen soll, wenden Sie sich bitte an das örtlich zuständige Jugendamt.

Die Adressen der Jugendämter finden Sie unter diesem Link.

(Bitte beachten Sie, dass viele kreisangehörigen Städte eigene Jugendämter unterhalten, und die Adressen der städtischen Jugendämter erst nach den Jugendämtern der Landkreise angegeben sind.)

Die Sozialämter und die Jugendämter zahlen dem Kindergarten nach
§ 1 Abs. 7 DVO Nds. AG SGB XII (Verordnung zur Durchführung des Niedersächsischen Gesetzes zur Ausführung des Zwölften Buchs des Sozialgesetzbuchs) eine pauschalisierte Leistung, mit der alle Kosten der Eingliederungshilfe abgegolten sind.

Von der Pauschale, die der überörtliche Träger der Sozialhilfe im Rahmen der Eingliederungshilfe in Kindergärten erbringt, werden auch die dort erbrachten Leistungen zum Lebensunterhalt umfasst (§ 1 Abs. 1 DVO Nds. AG SGB XII).

Für die erbrachten Leistungen zum Lebensunterhalt ist von den Eltern und/oder anderen personensorgeberechtigten Personen ein Kostenbeitrag nach
§ 92 Abs. 2 SGB XII in Höhe der häuslichen Ersparnis zu leisten.

Die Kommune wird vor der Bewilligung der Leistung den sozialhilferechtlichen Bedarf ermitteln und unter Umständen auch einen Gesamtplan / eine Zielplanung aufstellen.


Informationen für Kindergärten, die ein Kind mit Behinderung im Rahmen der Einzelintegration aufnehmen wollen:
Sie benötigen für die Aufnahme eines Kindes mit Behinderung im Rahmen der Einzelintegration eine Erweiterung Ihrer Betriebserlaubnis.

Bitte lassen Sie sich hierzu sowie hinsichtlich eventueller weiterer aufsichtsrechtlicher Vorgaben durch die für Sie zuständige regionale Geschäftstelle des Niedersächsischen Kultusministerium (MK) beraten. Ihre Ansprechpartnerin bzw. Ihren Ansprechpartner im MK finden Sie unter diesem Link.

Eine Leistungs-, Vergütungs- und Prüfungsvereinbarung mit dem Landesamt für Soziales, Jugend und Familie ist für die Einzelintegration nicht erforderlich.

Die Gruppenintegration ist als Regelfall vorgesehen. Einzelintegration soll es nur noch geben, wenn die Gruppenintegration nicht verwirklicht werden kann - z. B. weil die nächste integrative Gruppe zu weit entfernt ist.

Das Wort "Kindergarten" mit Bauklötzen gelegt

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