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„Ich bin vom Erfolg überzeugt“

Bezirksregierung Hannover richtet Geschäftsstelle Telearbeit ein


Die Bezirksregierung Hannover hatte bereits beim Pilotprojekt Telearbeit wichtige Erfahrungen gesammelt. Bei der jetzigen Einführung wurde daher mit Bewerbungsbogen und Checkliste sehr systematisch vorgegangen. Seit April arbeiten nun acht Mitarbeiterinnen und vier Mitarbeiter der über 1.300 Beschäftigten der Bezirksregierung teilweise zu Hause. ReformZeit-Redakteurin Heinke Liere fragte die Regierungspräsidentin Gertraude Kruse, was sie sich von der neuen Arbeitsform verspricht.

ReformZeit: Frau Regierungspräsidentin, warum engagieren Sie sich so stark für Telearbeit?

Regierungspräsidentin Getraude Kruse: Früher hätte ich mich gegen Telearbeit ausgesprochen, weil ich gedacht hätte, das sei eine neue Form, Frauen auszubeuten. Aber nun sehe ich, dass diese Arbeitsform auch von Männern angenommen wird. Gerade unsere Beschäftigten haben zum Teil lange Anfahrtswege, bis zu drei Stunden täglich. Wenn diese verlorene Zeit der Familie zugute kommt, halte ich das für sehr vorteilhaft.

ReformZeit: Fördert Telearbeit nicht auch die Einübung neuer Instrumente wie zum Beispiel das Führen mit Zielen?

Kruse: Mitarbeiter/Vorgesetzten-Gespräche und Zielvereinbarungen setzen wir ohnehin ein. Dennoch ist die Einführung der neuen Arbeitsform eine gute Gelegenheit für alle Beteiligten, eine andere Art von Verantwortung wahrzunehmen. Und das wird auch zu einer Hierarchieverflachung führen. Ein großer Vorteil von Telearbeit kommt jedoch schon im Vorfeld der Einführung zum Tragen, indem die eigene Arbeit reflektiert werden muss.

ReformZeit: Sehen Sie auch Einsparmöglichkeiten?

Kruse: Primär ist Telearbeit für die Beschäftigten mit einer Kostensenkung verbunden, weil sie Fahrtkosten sparen. Wir dagegen müssen ja erst einmal einen zweiten vollwertigen Arbeitsplatz einrichten. Das ist mit erheblichen Kosten verbunden. Aber es wird auf Dauer nicht mehr jeder einen eigenen Schreibtisch im Büro und zu Hause haben können. Das geht dann nicht mehr.

ReformZeit: Sie haben sogar eine Geschäftsstelle Telearbeit mit einem festen Ansprechpartner eingerichtet. Warum?

Kruse: Wir sind die Behörde mit den meisten Plätzen, und die Tendenz zu Telearbeit wächst. Deswegen ist es wichtig, einen Ansprechpartner zu haben – für Telearbeitende wie auch für Telemanager, die ich im Übrigen lieber als Coacher bezeichne. Zudem ist die Bezirksregierung Schwerpunktdienststelle, sodass die Geschäftsstelle auch andere Behörden bei der Einführung berät.

ReformZeit: Wie viele Telearbeitsplätze wollen Sie einrichten?

Kruse: Zunächst müssen wir gucken, wie alles läuft. Ich bin aber davon überzeugt, dass das Projekt erfolgreich ist. In einem zweiten Anlauf werden wir dann erst einmal zwölf weitere Telearbeitsplätze einrichten.

ReformZeit: Wie wollen Sie den Erfolg kontrollieren?

Kruse: Wir haben für das Ende des Jahres eine Evaluation geplant. Welche Punkte dabei berücksichtigt werden müssen, werden wir auch von den Erfahrungen der Geschäftsstelle abhängig machen. Für mich steht aber fest, dass Telearbeit eine große Zukunft hat.
Heinke Liere

Reformzeit Nr. 2/ Juni 2002

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